Großer Umbruch im deutschen Badminton geplant

Großer Umbruch im deutschen Badminton geplant

Die Spiele im brasilianischen Rio de Janeiro sind beendet und im deutschen Badminton-Verband hat sich ein wenig Ernüchterung eingestellt. Nach der etwas überraschenden Nullnummer (keiner der deutschen Teilnehmer/innen konnte eine Medaille in dem internationalen Wettbewerb für den Verband gewinnen) wird nun definitiv ein Neuanfang von Nöten sein. Obwohl in Deutschland Badminton eine wahrlich große und langjährige Tradition hat, muss der Blick definitiv nach vorn gerichtet werden. Ein großer Schnitt wurde angekündigt, so dass der Verband auch wieder ein wenig optimistischer auf die nächsten großen Spiele blicken kann. Dies ist ein durchaus wichtiger Schritt, da sich aktuell kein deutscher Topspieler mehr unter den Top-10 der internationalen Weltrangliste befindet.

Deutschland FlaggePersonelle und strukturelle Veränderungen

Allein vier von insgesamt sieben Teilnehmern in Rio werden zu Beginn des neuen Jahres ihre aktive Karriere beenden. Auch auf dem Trainerposten wird es eine Veränderung geben: Anfang 2017 wird der bisherige Bundestrainer Holger Haase durch Detlef Poste ersetzt. Für Poste ist dies eine Rückkehr, da der ehemalige aktive Spitzenspieler bereits in der Zeit von 2005 bis einschließlich 2008 einmal Chef-Bundestrainer des deutschen Badminton-Teams war. Mit diesem personellen Wechsel wird es auch eine Veränderung der Aufgabenbereiche geben, so kündigte es der Vizepräsident im Bereich Leistungssport des deutschen Verbandes an. Der neue Chef-Bundestrainer wird zukünftig nicht mehr selbst in der Halle aktiv coachen, hierfür wird ein Disziplin-Bundestrainer eingeführt werden. Dies ist eine direkte Reaktion auf das sehr enttäuschende Abschneiden bei Rio 2016von selbst bei Sportwetten hochgehandelten Topspielern wie Marc Zwiebler. Für alle deutschen Teilnehmer war die Olympiade bereits nach der Vorrunde beendet. Weiterhin wird es zukünftig eine neu installierte Stelle des Bundestrainers für Lehre und Ausbildung geben, die als konsequente Fortführung des Zukunftsplans angesehen wird. Die Trainingsstützpunkte in Saarbrücken und Mülheim werden einer neuen Strukturierung unterzogen, so dass die Herreneinzelspieler sowie Dameneinzelspielerinnen in Zukunft ausschließlich in Mülheim trainieren, während alle Doppeldisziplinen in Saarbrücken trainiert werden.

Neue Spielerinnen und Spieler für den Verband

Der Zeitpunkt für die strukturellen und personellen Veränderungen im Trainerteam sind denkbar günstig, da dem Verband auch bei seinen Spielerinnen und Spielern ohnehin ein Umbruch bevorstand. Mit Ausnahme der gerade einmal 25-jährigen Carla Nelte aus dem deutschen Damen-Doppel hatte der Großteil aller Teilnehmer in Rio bereits das 30 Lebensjahr erreicht. Somit verwundert es nicht, dass sowohl Birgit Michels als auch Michael Fuchs und Johannes Schöttler nebst Karin Schnaase ihren Rücktritt vom aktiven Profi-Sport in der Nationalmannschaft angekündigt haben. Gerade für Karin Schnaase war diese Entscheidung nicht einfach, da sie bereits in der Vergangenheit einmal ihren Rücktritt erklärt hatte und anschließend doch wieder in das Nationalteam zurückkehrte. Der nunmehr ausgesprochene endgültige Rücktritt aus der Nationalmannschaft fiel der Spielerin nicht leicht, hatte aber mit dem enttäuschenden Abschneiden letztlich nichts zu tun, da die Spielerin nach dem Ausscheiden im Viertelfinale der letzten Europameisterschaft ohnehin nur die reine Teilnahme in Rio vor Augen hatte. Dies indes sah nicht jeder im Verband so gelassen. Der scheidende Bundestrainer Hasse kommentierte die letzten Spiele nüchtern und sachlich dahingehend, dass die hochgesteckten Zielsetzungen nicht erreicht werden konnten. Eine Enttäuschung aller Teilnehmer ist daher nicht verwunderlich.

sport-92411_1920Favoriten enttäuschten, aber es gab auch Erfolge

Zu den regelrechten Medaillenhoffnungen in Rio wurde insbesondere Marc Zwiebler als neunmaliger Meister im deutschen Badminton gezählt. Da Zwiebler jedoch frühzeitig ausschied, waren somit viele Hoffnungen regelrecht gestorben. Marc Zwiebler äußerte sich anschließend sehr selbstkritisch, dass er es schlicht und ergreifend „vergeigt“ habe. Die Auftaktniederlage des starken Einzelspielers gegen Scott Evans aus Irland ließ viele Fragen offen und auch der 32-jährige Zwiebler konnte keine Erklärung hierfür liefern. Als bekanntester Badminton-Spieler Deutschlands hatte insbesonders Bundestrainer Hasse große Hoffnungen in ihn gesetzt, von daher war die Niederlage doppelt bitter. Dennoch mochte der Bundestrainer nicht von einer vollumfänglichen Enttäuschung sprechen, da gerade im Mixed sowie im Damen-Doppel gute Auftritte abgeliefert wurden. Hasse äußerte sich dahingehend, dass stets von einer guten Vorbereitung sowie sich bietenden Chancen gesprochen wurde und dass es der Deutsche Badminton-Verband erstmalig in seiner Geschichte geschafft habe, sich in sämtlichen fünf Disziplinen erfolgreich zu qualifizieren. Die Chance auf eine Medaille ergab sich zwar nicht, aber dennoch sei die Leistung als Erfolg zu werten.

Wer sich eingängig mit der deutschen Badminton-Thematik auseinandersetzt, wird wissen, dass der deutsche Nachwuchs aufgrund der Vielzahl von entsprechenden Turnieren und Turnierserien Anlass zur Hoffnung gibt. In zahlreichen Vereinen wird der Sport weiter gepflegt und auch die jungen Nachwuchstalente werden mittlerweile sogar professionell gefördert. Sofern es dem Verband gelingt, nach dem schwierigen Umbruch alle Maßnahmen in die richtigen Bahnen zu lenken und die jungen Nachwuchstalente auch zukünftig richtig vorzubereiten, darf daher davon ausgegangen werden, dass der nächste Marc Zwiebler oder die nächste Karin Schnaase nicht lange auf sich warten lassen. Dann dürfte es auch bei den nächsten Spielen wieder berechtigte Hoffnungen auf eine Medaille geben.

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